<Die Guten Fremden> 2010

Was ist "fremd" und was ist "eigen"? Wo hört die eine Heimat auf und wo fängt die nächste an? Kann eine Person verschiedene Heimaten haben? Lassen sich Heimaten ohne Umstände vereinbaren?

Was fangen wir mit "fremden Blicken" auf unsere Heimat an und wann beginnen (geographische) Grenzen, Ab- und Ausgrenzungen definitiv zu fallen? Wie wird unser Horizont durch diese anderen Blickwinkel und Perspektiven erweitert?


An diese Themen wollen wir uns im Frühsommer 2010 heranwagen: Wir fragen mehr als 100 Menschen mit Migrationshintergrund im Kanton Zug sowie 15 binationale Paare, welche 3 Dinge sie an ihrer "zweiten Heimat" oder der jeweiligen Herkunftskultur des Partners/der Partnerin am liebsten mögen. Wir versuchen ausserdem auch, SchweizerInnen, die irgendwo auf der Welt leben, über ihre 3 dortigen "Lieblingsdinge" zu porträtieren. Wie sie diese darstellen wollen, bleibt weitgehend ihrer Kreativität überlassen.

Wir sind derzeit auf der Suche nach Teilnehmenden. Haben Sie Interesse oder weitere Fragen?
Bitte hier melden: http://www.inz.ch/kontakt/kontakt.php


Was?

Begleitete digitale Videoaufzeichnungen der jeweiligen 3 "Lieblingsdinge" von mehr als 100 Menschen mit Migrationshintergrund im Kanton Zug, von 15 binationalen Paaren im Raum Zug sowie nach Möglichkeit auch von einigen dauerhaft im Ausland lebenden SchweizerInnen (Oktober 2009 bis Mai 2010)

"Videolounge" mit Rahmenveranstaltung
zur Präsentation der produzierten Spots und deren Hochladen als Podcasts und Instant Castings auf einer entsprechenden Website (ab Juni 2010)


Wer?

Präsentiert und auf Video aufgezeichnet werden die 3 "Lieblingsdinge" nach Möglichkeit von mehr als 100 Personen migrantischer Herkunft im Kanton Zug selbst.

Die Videolounge mit Rahmenveranstaltung zur Präsentation der Clips und Portraits wird im Juni 2010 über einen Zeitraum von rund 3 Wochen in einer geeigneten Lokalität der Stadt Zug eingerichtet. Sie wendet sich an eine interessierte Öffentlichkeit, insbesondere auch an kunst- und kulturinteressierte sowie jüngere Bevölkerungskreise.

Im Anschluss an die Videolounge wird die dort verwendete Infrastruktur (Beamer etc.) auch anderen Institutionen, etwa Verwaltungen und Banken zur Verfügung gestellt. Die Videoclips und -portraits werden nach ihrer Fertigstellung auf einer eigenen Website als Podcasts zum Herunterladen - sowie als Instant-Casting ins Netz gestellt und so schweizweit Interessierten (Einzelpersönlichkeiten, Schulen, Projekten und Institutionen etc.) unentgeltlich zur weiteren Verwendung überlassen.


Warum denn?

Jede dritte Person in der Schweiz hat heute einen Migrationshintergrund.
Globalisierung und globale Mobilität sind zur Selbstverständlichkeit geworden – der internationale Wirtschaftsstandort Zug ist dafür das beste Beispiel. Parallel dazu beobachten wir die beschleunigte digitale Entwicklung und das Schwinden der geographischen Distanzen im virtuellen Raum, man denke dabei etwa an Online-Foren und Kontaktnetze wie Facebook, Youtube oder Twitter. Viele MigrantInnen holen sich mittlerweile ihre Herkunftsgesellschaften ganz selbstverständlich über den Cyberspace in ihre schweizerischen Wohnstuben.

Diese globale Verwobenheit soll nun in Bezug auf die Vielfalt und Weltoffenheit im Raum Zug und darüber hinaus sichtbar gemacht werden: Migration und multikulturelles gemeinschaftliches Zusammenleben sind nicht nur kompliziert und mit Herausforderungen, Schwierigkeiten oder gar Ängsten verbunden. Migration ist in weitaus stärkerem Masse eine Bereicherung: Für die Migrierenden selbst, denn sie gewinnen eine weitere Heimat dazu, für die Zielgesellschaft und für die PartnerInnen in binationalen Beziehungen vielleicht noch stärker, denn sie wiederum gewinnen neue Horizonte und Perspektiven innerhalb ihrer "ersten Heimat".

Bereits im Zuge unserer beiden T-Shirt-Aktionen "Real Swiss T-Shirt – für ein realistisches Heimatgefühl" 2003 und "Heimaten" 2008 haben wir uns mit mit "Eigenem" und "Fremdem" und spezifisch mit dem Aufbrechen dieser beiden fixen Pole befasst: Aus "Meine Heimat" wurden so beispielsweise zahlreiche Heimaten in Form von ebenso vielen Schriftzügen in der Schweiz gesprochener Sprachen – gedruckt auf T-Shirts.

Was mit Schriftzügen – sprich sprachlicher Vielfalt – gelang, soll nun im aktuellen Projekt in bewegte Video-Bilder überführt werden: Nämlich die Sensibilisierung für die fliessenden Übergänge zwischen Eigenem und Fremdem, zwischen Heimat I, Heimat II und Teil-Heimaten. Ein "fremder Blick" kann dabei Eigenes und "Heimatliches" eben erst bewusst und erlebbar machen und aufzeigen, dass "Eigenes" "Fremdes" bedingt und umgekehrt. Was aus einem Aufbrechen von fixen Trennungen und Grenzen folgt, sind schliesslich die Beziehungen, die Gemeinsamkeiten, das Verbindende – sprich Integration.

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